Mittwoch, 7. November 2007

Vom großen Glück einen älteren Hund zu haben…

Liebe Freunde, liebe Kollegen,

ich habe etwas gehört, das mich sehr traurig gemacht hat. Während Welpen ja bei den meisten Betrachtern unmittelbar den ‘will-ich-haben-Reflex’ auslösen, haben es ältere Hunde - besonders in Tierheimen - oft schwer, ein neues Zuhause zu finden. Das dürfte allgemein bekannt sein. Besonders erschüttert es mich aber immer wieder, wenn ich höre, dass Zweibeiner ihre Hunde einfach so abgeben, nur weil sie älter werden!


Unlängst hörten wir von einem Tierheim-Mitarbeiter eine Geschichte, die uns tief erschüttert hat. Eine Familie brachte einen älteren Hund ins Tierheim, weil das Kind angeblich plötzlich eine Tierhaarallergie bekommen hatte. Ohne eine einzige Träne zu vergießen, gaben sie den Hund ab. Auf dem Weg nach draußen, sollen sie dann bei einem Welpen stehen geblieben sein und gesagt haben: “Die sind ja auch niedlich, so einen könnten wir uns auch holen”. Dann diskutierten sie noch im Tierheim völlig ungeniert darüber, welcher Rasse denn der neue Hund sein sollte.
Wie der Tierpfleger schon vermutet hatte, war die 'Allergie' also offensichtlich erlogen - man wollte einfach mal ‘was Neues’. Liebe Zweibeiner, so etwas ist für einen Hund absolut unbegreiflich! Auch ihr werdet mal alt und wir würden euch niemals verlassen, nur weil ihr alt oder krank werdet! Wie könnt ihr so etwas tun?

Ich bin jetzt fast 12 Jahre alt - bei einem Hund meiner Größe, kann man da durchaus von einen reiferen Herrn sprechen. Sicher, ab und zu mache ich meinen Zweibeinern auch mal Sorgen, wie hier und da zu lesen war. Aber: Es vergeht kein einziger Tag, an dem ich meinen Zweibeinern keine Freude mache! Tag für Tag erfreue ich sie mit meiner Lebensfreude, meinen kleinen Albernheiten und meiner bedingungslosen Liebe und Treue. Je älter ich werde, desto intensiver genießen sie jeden Tag mit mir. Es sind die kleinen Dinge des Alltags, das gegenseitige Verstehen, für das es oftmals nur eines Blickwechsels bedarf.

Wenn man viele Jahre gemeinsam verbracht hat, kennt man einander genau. Frauchen sagt, sie genießt es auch deshalb so sehr, weil das Verhältnis immer entspannter wird. Ich kenne meine Grenzen genau, meine Zweibeiner wissen, dass sie mir absolut vertrauen können, und dafür gibt es auch ab und zu mal kleine Freiheiten, die sich Hundesenioren herausnehmen dürfen. Kluge Hundesenioren wissen, dass ihnen im Alter manchmal Dinge nur mal ‘ausnahmsweise’ erlaubt sind, die man früher vielleicht nicht gedurft hätte. Während früher Konsequenz ohne jede Ausnahme angesagt war, verstehe ich inzwischen längst kleine Ausnahmen zu genießen, ohne sie zur Regel machen zu wollen. Ich nutze diese kleinen ‘Sonderrechte’ nicht aus, denn ich weiß, dass ich sie überhaupt nur habe, weil meine Zweibeiner sich darauf verlassen können, dass ich sie nicht ausnutze.

Ältere Hunde müssen nicht mehr viel lernen, denn, wenn es gut gelaufen ist, wissen sie längst , was Zweibeiner mögen und was Hund lieber lassen sollte. Aber ältere Hunde können immer noch sehr viel lernen, und haben auch Spaß daran! Vielleicht kann man mit älteren Hunden nicht mehr so wild toben, wie mit den jungen Hüpfern, aber es gibt tausend Dinge, bei denen die Zweibeiner gemeinsam Spaß mit dem Hundesenior haben können!

Darum brennt es mir auf der Seele euch mal zu sagen: Es ist nicht nur grausam, herzlos, gewissenlos und unfair einen Hund einfach abzugeben, nur weil er älter wird, sondern euch entgeht auch unglaublich viel, wenn ihr das tut - ihr straft euch selbst! Ich habe mein Frauchen gefragt - selbst wenn sie könnte, sie würde die Zeit nicht zurückdrehen, um wieder einen jungen Hüpfer aus mir zu machen. Sie würde sie aber leibend gerne anhalten, um mich so wie ich jetzt bin ewig bei sich haben zu können. Ältere Hunde sind durchaus in der Lage viel, viel Freude zu machen!

Mit einem traurigen Gruß an die Kollegen im Tierheim
euer Alex (Alexander Bömbelmann)
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Kommentare:

  1. Bömbelmann, reich mir die Pfote!

    Weißt du, dass ich wegen Umzug mit 11 Jahren abgegeben wurde? Weißt du auch, dass mein altes Frauchen inzwischen mit einem jungen Hund gesehen wurde? Frauchen sagt, wenn ihr mein altes Frauchen mal begegnet, reißt sie ihr die Haare vom Kopf und spuckt ihr ins Gesicht.

    Ich war so neben der Spur, als ich bei meinem neuen Frauchen einzog. Sie hat sooo viel Arbeit gehabt, dass ich Vertrauen zu ihr bekomme. Ich musste sooo viel neue Sachen lernen, weil Frauchen nicht wusste, was denn schon alles kann, worauf ich denn gehorche. Einiges hat sie zufällig entdeckt. Dass ich z.B. "Give me five" kann. Dass ich auf einen Pfiff mit dem Mund angerast kam, wie ein geölter Blitz und vorsaß. Aber auf welches Kommando ich "Fuß" ging hat sie nie rausgefunden. Ich hab neue Kommandos gelernt und Frauchen ist stolz auf mich.

    Manchmal schaut sie mich ganz verliebt an und sagt ganz leise zu mir: "Wie konnte sie dich abgeben, mein alter Schatz?"

    Es gibt immer noch Situationen, mit denen ich nicht klar komme. Wenn sie mich z.B. weckt, oder wenn ich in ihren Armen einschlafe und dann plötzlich aufwache. Dann springe ich veschreckt auf und glaube, ich müsste fliehen. Eine Sekunde lang. Dann merke ich "ach, ist ja nur Frauchen" und dann sag ich ihr "tut mir leid, Frauchen". Inzwischen weckt sie mich nicht mehr und ist nicht böse, wenn ich weg gehe und mich anderswo wieder hinlege. Sie nimmt es nicht persönlich.

    Frauchen sagt, Vertrauensbruch bei alten Hunden ist schwer zu heilen. Aber sie gibt sich ganz große Mühe. Und ich sage ihr mit 1000 Blicken und kleinen Gesten, dass ich sie mehr liebe als alles in der Welt.

    Sie hat mir versprochen, wieder einen älteren oder alten Hund zu nehmen, wenn ich mal zum Hundegott gehe.

    Wir haben es gut getroffen. Du und ich.

    glücklich und zufrieden
    Banjo

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  2. Danke für das Thema, ich habe diese Tendenz noch nicht so mitbekommen, dieser Beitrag hat meine Augen geöffnet!
    Ich glaube, das kann auch mit dem allgemeinen Jung-sein-Trend zu tun: alle wollen jung bleiben, junge Freunde haben, junge Seele haben... Aber das man den Trend auch auf Hundebesitz übertragt??? Das ist soooo dumm. Was nur die Konsumgesellschaft mit uns macht...

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  3. Mein Frauchen hat sowas bei ihrer Arbeit im Tierheim selbst erlebt. Da kommen Leute, die geben alte Hunde ab und wollen gleich einen neuen, "Frischen" mitnehmen. Frauchen sagt: Wer lange im Tierschutz aktiv war, fängt an die Menschen zu hassen.
    Trauriges Wuff,
    Emil

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  4. @ Banjoko: Mein lieber Kumpel, dein altes Frauchen hat so einen tollen Hund wie dich einfach nicht verdient! Genau genommen, hat sie gar kein Tier verdient. Was sie meiner Meinung nach verdient hat, schreibe ich jetzt mal lieber nicht - wir Hunde, verstehen uns ja auch ohne viele Worte, oder? ;o)

    Aber nochmals Hut ab vor deinem jetztigen Frauchen, Kumpel! Einem 11 jährigen Hund, der dazu auch noch groß ist, geben leider nicht viele Leute die Chance, aus dem Tierheim heraus zu kommen. Aber ihr beide seid der beste Beweis dafür, mit wieviel Glück und Freude das belohnt wird!

    @ Emil: Ich kann gut verstehen, was dein Frauchen sagt. Mein Frauchen will die Menschen nicht hassen, aber sie kann einfach nicht begreifen, wie viel Leid ihre "Artgenossen" den Tieren antun. Oft ist sie sehr verzweifelt und traurig darüber. Dann schämt sie sich, ein Mensch zu sein...

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  5. *rotwerd* Alex, ich bin nicht so groß, wie Mama war. Nur 50 cm. :))
    Ich glaub, ich bin kleiner als du.

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  6. @ Banjo: Viel größer bin ich auch nicht - es sind nur 6 cm ;o) Aber mit 50 cm zählt man ja schon zu den "großen Hunden", und die haben es meist nicht leicht je wieder aus dem Tierheim rauszukommen. Darum hat Frauchen mich ja auch davor bewahrt, ins Tierheim zu kommen. Sie hat damals kurzerhand ihr ganzes Leben umgekrempelt, damit sie mich nehmen konnte, und ich nicht ins Tierheim musste.

    Zum Glück hatte ich sie ja längst schon um die Pfote gewickelt, als ich noch gar nicht ihr Hund war! ;o)

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  7. Wir haben uns vor 3 Jahren einen 6 Jahre alten Schäferhund geholt.. der gute wird im Januar 9 Jahre und ist eigentlich auch schon ein älterer mann, benimmt sich aber wie ein junger gott.
    also warum sollte man keinen erwachsenen hund nehmen? klar sind kleine hunde süß.. das kindchenschema eben..
    aber die großen haben auch vorteile: oftmals sind sie so weit erzogen, dass einem viel arbeit erspart bleibt, außerdem sind sie dankbar für die pflege und zuwendung, die sie bekommen..
    wir lieben den großen.. das einzig schlimme ist, dass ich angst habe, ihn irgendwann alt und leidend zu sehen.. dann mit ihm zum tierarzt fahren zu müssen um ihm eine spritzt geben zu lassen.. das ist für mich ein gedanke, mit dem ich mich auch heute noch nicht anfreunden kann.. aber mit dem wissen, dass soetwas irgendwann passiert, holt man sich ja ein tier nach hause..
    aber ich möchte ihn heute nicht mehr missen.. ihn zu sehen, streicheln, mit ihm zu spielen, ist einfach toll.. es bereitet immer wieder freude...

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  8. Das ist wunderschön und sehr berührend geschrieben! Es ist unglaublich wie unsere Gesellschaft Tiere behandelt. Wie Wegwerf-Artikel :-( Gruß, Ina

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  9. Lieber Alex, ich habe richtig Gänsehaut beim Lesen bekommen. Ich wünsche dir und deinen Leuten von ganzem Herzen noch ganz viele wunderschöne Jahre miteinander!!!

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  10. Alte Hunde lernen auch neue Tricks!

    Meine beiden Jack Russell Terrier haben mit zehn Jahren noch mit Agility angefangen! Natürlich nicht wettkampfmäßig, sondern nur in der Spaßgruppe - trotzdem haben alle gestaunt... Jetzt leben beide leider nicht mehr, aber sie wurden 13,5 und 14,5 Jahre alt, dafür muss man dann schon dankbar sein.

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  11. Hallo Alex,

    sehr wahr, es ist schön mit einem alten Hund zu leben.
    Unser Felix ist ca. 12 (genau wissen wir es nicht er ist aus dem Tierheim) und ich sehe es als Geschenk an das er bei uns ist. Diese Vertrautheit, und Ruhe und Gelassenheit hat mir immer wieder geholfen wenn der Stress zu arg war.
    Es ist halt anders mit einem alten Hund (unseren anderen beiden Hunde sind 4 und 7 Jahre), eher meditativ. Wenn die beiden Mädels den Garten umgraben liebt es Felix neben im auf dem Rasen zu liegen und von mir in den Arm genommen zu werden. Und wer das nicht schätzen kann hat auch keinen Hund verdient.

    Gruß
    Jürgen

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